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Autor Thema: kann es bei einem auktorialen erzähler erlebte rede geben  (Gelesen 3200 mal)

Tina

  • Gast
Beispiel: auktorialer erzähler in "klider machen Leute" von Gottfried Keller:

"An einem unfreundlichen Novembertag wanderte ein armes Schneiderlein auf der Landstraße nach Goldach, einer kleinen, reichen Stadt, die nur wenige Stunden von Seldwyla entfernt ist. Der Schneider trug in seiner Tasche nichts als einen Fingerhut, welchen er, in Ermangelung irgendeiner Münze, unablässig zwischen den Fingern drehte, wenn er der Kälte wegen die Hände in die Hosen steckte, und die Finger schmerzten ihn ordentlich von diesem Drehen und Reiben."

Dies ist doch meistens Erzählerbericht, also berichtendes erzählen. Bei "...wenn er der Kälte wegen die Hände in die Hose steckte, und die Finger schmerzten ihn ordentlich..." ist das dann erlebte Rede? Ich weiß, dass es normal ist, dass ein auktorialer erzähler auch die gefühle der Personen weiß, aber erzählerbericht ist es auch nicht oder? was dann?

danke

lg

Jonas

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kann es bei einem auktorialen erzähler erlebte rede geben
« Antwort #1 am: Februar 04, 2015, 21:39:35 »
Ahoj Tina,

meines Erachtens ist das einfach ein auktorialer Erzähler, der berichtet, was geschieht und dich so in die Handlung einführt. Das sind demnach die Schlagworte, die im Zusammenhang mit der Erzählperspektive und Erzählerbericht fallen müssten.

Erlebte Rede sehe ich dort nicht. Dafür müssten die Gedanken des Schneiderleins durch den Erzähler gezeigt werden, ohne dass das Schneiderlein diese selbst äußert. Ich sehe dort keine Gedanken des Schneiderleins, die der Erzähler vermittelt. Du? Oder irre ich mir?

Erlebte Rede wäre es, wenn dort beispielsweise stünde:" [...]wenn er der Kälte wegen die Hände in die Hosen steckte, und die Finger schmerzten ihn ordentlich von diesem Drehen und Reiben. [Musste er nicht bald die Stadt erreichen? Er fror doch so bitter.].

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