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Autor Thema: Merkmale von Kurzgeschichten  (Gelesen 5655 mal)

Pfefferminza

  • ABC-Schütze
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Merkmale von Kurzgeschichten
« am: November 26, 2013, 20:08:25 »
ich bin ein bisschen verwirrt. kritikilla hat gesagt, dass "an manchen tagen" keine kurzgeschichte, sondern eine erzählung ist. hä? ich hab mir die jetzt durchgelesen und ich weiß nicht, was jetzt nun typisch für das eine oder das andere ist. was sind denn die merkmale für eine kurzgeschichte? und was sind die unterschiede zu einer erzählung?

rapunzelchen

  • ABC-Schütze
  • Beiträge: 21
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Merkmale von Kurzgeschichten
« Antwort #1 am: Dezember 03, 2013, 02:18:13 »
Guten Abend Pfefferminza,

prinzipiell ist es gar nicht so einfach, die Merkmale einer Kurzgeschichte einfach so zu benennen. Denn es gibt durchaus Kurzgeschichten, die nur recht wenige Merkmale aufweisen und manche - diese begegnen uns häufig im Deutschunterricht - sind typische Vertreter der Art, da sie jede Menge solcher Merkmale aufweisen, die dann in allen Texten gleich sind.

Ich versuche einmal, dir die wichtigsten Merkmale einer Kurzgeschichte aufzuzeigen und erkläre im Anschluss, warum der Text, den du als Beispiel bringst, nach diesen Kriterien eben keine Kurzgeschichte ist respektive die Merkmale einer solchen eben nicht erfüllt.

Typische Merkmale einer Kurzgeschichte:

  • Kurzgeschichten haben meist ein offenes Ende, das bedeutet, dass wir als Leser nicht wissen, wie es mit den Charakteren der Geschichte im Nachhinein weitergeht.
  • Außerdem ist der Einstieg meist plötzlich und man wird einfach in das Geschehen hinein geworfen. Der Leser erhält also keine Informationen über die Vorgeschichte der Handelnden und wird lediglich mit der erzählten Zeit der Geschichte konfrontiert.
  • Natürlich ist der Umfang dieser Geschichten sehr knapp. Daher leitte sich auch ihr Name ab. Allerdings gibt es auch KG, die dutzende von Seiten haben, weshalb wir nicht einfach sagen sollten, dass eine solche Geschichte auf den ersten Blick "kurz" ist.
  • Uns begegnen Personen aus dem Alltag. Selten tauchen typische Helden auf, sondern eher Personen wie "du und ich"
  • Den Mittelpunkt einer Kurzgeschichte bilden überraschende Ereignisse oder Wendungen.
  • Die Geschichte spielt überall. Das bedeutet, dass in der Kurzgeschichte selten genaue Orte und Schauplätze benannt werden. Vielmehr ist von irgendeinem Ort oder einer Stadt die Rede, aber eben nicht "Berlin, Hamburg oder Stuttgart"
  • Häufig finden wir keinen auktorialen Erzähler. Die Geschichte wird also oftmals von einem personalen Erzähler gestaltet.
  • Das hat auch zur Folge, dass der Leser sehr wenig über die einzelnen Charaktere weiß. Wir wissen nur das, was uns die Personen durch ihr Charakterisierung selbst preisgeben.

Sodele. Das sind die Merkmale einer Kurzgeschichte, die meist im Deutschunterricht und der Schule gelehrt werden. Wichtig ist jedoch, dass natürlich jede Geschichte mit diesen Elementen spielen kann und nicht alle Merkmale erfüllen muss.

Wenn du nun auf den Text von Nadja Einzmann schaust und ihn mit diesen Aspekten vergleichst, merkst du, warum er meist nicht als Kurzgeschichte bezeichnet wird, da wenige, fast gar keine, der angeführten Merkmale erfüllt werden.

Liebe Grüße