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Autor Thema: Protagonist  (Gelesen 3935 mal)

Lesemaus

  • Gast
Protagonist
« am: Februar 24, 2014, 13:48:44 »
Hallo zusammen,

ich sitze an einer Textanalyse und habe folgendes Problem: In meinem Text wird das Geschehen abwechselnd aus der Sich von zwei Personen beschrieben, die gleichwertig  nebeneinander stehen. Ich könnte nicht sagen, wer der Pro- und wer der Antagonist ist. Wäre auch eine Konstellation mit zwei Protagonisten denkbar, oder ist das völliger Quatsch?

Danke!

Jonas

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Protagonist
« Antwort #1 am: Februar 24, 2014, 16:31:46 »
Ahoj Lesemaus, schön, dass Du den Weg ins Wortwuchs-Forum gefunden hast und eine Frage mitgebracht hast. Vorab: Den Beitrag auf Wortwuchs zum Protagonisten hast Du mit Sicherheit schon gelesen, oder?

Grundsätzlich meint man mit dem Wort "Protagonist" die Figur, die eine Handlung durchlebt, die die Geschichte erzählt. Nicht zu verwechseln ist das Ganze mit dem Begriff "Hauptfigur/-charakter", denn davon kann es natürlich mehrere geben, die für die Erzählung wichtig sind.

Oder anders ausgedrückt: Der Protagonist ist die Figur, die Du nennen würdest, wenn Du beschreiben wölltest, um wen sich die ganz Geschichte dreht.

Haben wir es nun mit zwei Geschichten zu tun, die vollkommen gleichwertig sind oder auch mehrere, durchaus verschiedene Handlungen, erzählen (~Parallelroman), kannst Du natürlich von zwei Protagonisten sprechen - es sind ja grundsätzlich zwei verschiedene Perspektive, Geschichten, Handlungen - auch wenn das Geschehen, das beschrieben wird, identisch ist.

Oftmals ist es aber so, dass letzten Endes ein Antagonist zu erahnen ist, doch wenn beide keinerlei Bezugspunkte haben, außer dass es das gleiche Ereignis ist, denke ich, dass es durchaus kein Problem ist, zwei Protagonisten zu identifizieren.

Um auf der sicheren Seite zu sein, ist es aber auch denkbar, dass Du genau dieses Problem nennst, dass eben nicht klar ist, wer nun welche Rolle/Funktion einnimmt und Du deshalb beide, da gleichwertig, als Protagonisten bezeichnen würdest.

Das geht ganz einfach, wenn Du Dir eine gängige Definition für den Protagonisten schnappst (Quelle nicht vergessen!) und daran belegst, dass beide Figuren die typischen Merkmale erfüllen. Immerhin dreht sich das Ganze nur um Begrifflichkeiten und wenn diese sinnvoll erklärt sind, ist es meines Erachtens kein Problem.

Cheers.
Gärtner der Sprache, Hausmeister im Forum und verantwortlich für Wortwuchs.

Lesemaus

  • Gast
Protagonist
« Antwort #2 am: Februar 25, 2014, 13:54:09 »
Vielen Dank, Jonas, das hilft mir schon sehr weiter. Ein Parallelrom bedeutet aber, platt gesagt, dass ich zwei Bücher habe, oder? Das ist hier nicht der Fall. Es gibt eine Einleitung und einen Schluss, dazwischen erzählen die beiden Figuren aus ihrer Perspektive die (größtenteils gemeinsame) Handlung, was auch durch die Kapitelüberschriften verdeutlicht wird.
LG Lesemaus

Jonas

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Protagonist
« Antwort #3 am: Februar 25, 2014, 15:22:14 »
Ahoj Lesemaus!

Ja. Ein Parallelroman meint im Eigentlichen, dass es zwei verschiedene Handlungsstränge gibt. Diese können sich mitunter schneiden, sind doch in der Regel voneinander getrennt (bspw. Cloud Atlas) Dennoch bleibe ich dabei: ja, es kann mehrere Protagonisten geben, auch wenn es bei meiner ersten Antwort nicht ganz so deutlich wird.

Denken wir beispielsweise an Bonnie & Clyde - natürlich den Film - würde ich auch von mehreren Protagonisten sprechen und nicht einer Figur die Funktion "zuschreiben", da letzten Endes beide die Geschichte erzählen und zu "einem" Protagonisten verschmelzen.

Also zur grundsätzlichen Frage: Normalerweise sind Romane ganz klassisch aufgebaut und schildern die Erzählung aus der Sicht einer Person, die eine Entwicklung durchlebt (dem Protagonisten eben). Dennoch sind mehrere Protagonisten möglich.

Wenn ich mich ans Germanistik-Studium erinnere, fallen mir auch einige Werke ein, wo die Perspektive wechselte (das findet man ja sogar in fast jedem Stephen King - Schinken) und somit wird das wichtigste Attribut, das wir dem Protagonisten zuschreiben, einer anderen Figur aufgebürdet - folglich würde ich auch hierbei von mehreren Protagonisten sprechen.

Wichtig ist hierbei aber natürlich, in welchem Rahmen Du die Arbeit schreibst - wenn das Ganze für den Deutschunterricht geschrieben wird, muss man natürlich schauen, welche Ansichten die Lehrkraft vertritt. Davon ausgehend, dass der Bereich aber diskutabel ist und wir letzten Endes nur genau definieren müssen, was wir meinen, sollte es kein Problem sein. Im Studium - bei genauer Begründung - schon gar nicht.

Wäre es möglich, einmal den Titel der Erzählung zu nennen und vielleicht, wenn frei verfügbar einen Link zu setzen und wenn nicht, dann einfach mal einen charakteristischen Auszug per Kurznachricht?

Cheers und frohes Schaffen.

....ach..., vielleicht ist auch noch der Deuteragonist für Dich interessant? Ich glaube nicht. Oder doch?