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Autor Thema: Verschiedene herrschaftskritische Lyrik  (Gelesen 489 mal)

killallmalevolence

  • Gast
Verschiedene herrschaftskritische Lyrik
« am: September 04, 2021, 06:11:58 »
Spinnenwirrsinn

Groß, schwer,
schwarze,
Spinnen,
ineinander die Netze als Schilde versponnen.
Vier zentrale,
Neun weitere,
Dreizehn insgesamt,
die Unglück bringen,
dem Vaterland.

//

Brief an Freundin

Ina hier ist Tess,
in der Stadt haben wir uns das erste mal gesehen.
Du warst gerade arbeiten in einer Optiker-Filiale, Apollon.
Wie heterosexistisch du doch ausgesehen hast.
Deine langen glatten blondierten Haare, das kindchenschematische Gesicht, die Eigenfettkurven... Du bist genauso wie dich die Patriarchen haben wollen.

Aber so können wir keine Freundinnen sein.
Schmerzt dich das auch ab und zu?
Kannst du diese Schmerzen fühlen... und das Phalluskonstrukt das uns trennt?

Ich verachte was sie aus dir machten,
wie sie uns trennen,
 und liebe dich voller Inbrunst,
denn du bist doch ein Teil von mir,
und ich werde auf dich warten,
oder soll ich für dich kämpfen?

Ich bin die Richtige.
Gib mir ein Zeichen im Schatten,
dort unter dem Mammutbaum.
Dort wo die alte Holzbank steht,
in deren Holz das Symbol einer Doppelaxt geritzt wurde.
Nein ich war das nicht,
aber unsere Ahninnen.

Nur dort sind wir frei,
zu sagen und zu tun was wir wollen.

Deine allerbeste Freundin,

Tess

//

Muttermal


Wir entdecken unsere Haut birgt die Wiederkunft,
und wir schrecken davor zurück.

Unsere Muttermale wurden verschandelt,
patriarchalisiert, zu Denkmälern.
Damit wir uns daran er-innern, wie Männer die Göttin umbrachten.
Diese Denkmäler sind Schandmäler.

//

Die er-krankte Innenstadt

Nichts wächst hier,
außer Tod und Teufel.

Nichts singt hier,
außer Perversionen.

Nichts ethisches ist hier,
außer eine.

Die originäre Frau,
sie traut sich selten dorthinaus,
doch nun ist sie dort gelandet,
und fühlt sich total verschandelt.

Die Innenstadt,
ist voller Menschen,
aber menschinnen-leer,
Menschinnen gibt es nicht mehr.

So tauft sie diese Stadt,
Stadt der Verschandlungen,
Stadt der Er-Krankungen.

Jetzt wird gemunkelt und geglotzt,
so will sie lieber wieder fort,
denn diese Menschen sehen aus,
als planten sie einen Mord,

Denn diese Menschen sehen aus,
als planten sie einen Mord.

//

Und ist der letzte Mann gestorben,
so trinken wir aufs Wohl der Frauen!

...

Ich hoffe es war was dabei, dass euch gefällt.
MFG