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Zusammenfassung

Autor: Misses.nice
« am: Oktober 06, 2019, 11:36:03 »

Danke, Michael x, für diese Richtig- und Klarstellung! Das verstehen erstens auch SchülerInnen und der Kern ist genau erfasst, ohne viele Blümchen und Schwurbeln drumherum.
Autor: Michael X
« am: Juni 12, 2019, 18:43:32 »

Sorry, aber was da oben steht, stimmt so nicht. Lest es bei G. Kurz (Symbol, Metapher, Allegorie) nach, wenn ich unsicher seid, nicht in irgendwelchen Schulbüchern!

Also:

Eine METAPHER funktioniert, indem sie eine bestimmte *Eigenschaft* von Objekt A auf Objekt B überträgt. Die Metapher suggeriert, dass die *Eigenschaft* also auch bei Objekt B gegeben sei.

Formal: X -> Y  (X ist Y).

Dementsprechend ist bspw. das Wort "Motorhaube" eine Metapher.
Das Wort "Haube" wurde früher benutzt, um eine Mütze zu beschreiben, die man schützend über den Kopf zog. Als später Automobile gebaut wurden, überzog man den Motor zu dessen Schutz mit einer Blech"haube" und nannte das Ganze eben "Motorhaube".

Auf dieselbe Weise sind Beleidigungen metaphorisch, weil sie Eigenschaften von Objekt A (bspw. einem Schwein) auf Objekt B transferieren: "Onkel Erwin ist ein Schwein!" attributiert Erwin also mit den Eigenschaften, die wir gemeinhin einem Schwein unterstellen (z.B. schmutzig sein, dumm sein, gefräßig sein und so weiter.)
Die Metapher "Tante Erna ist ein Fuchs!" hingegen versieht nach dem Schema X->Y die Tante mit allen Attributen, die wir einem Fuchs unterstellen (Schläue, Wendigkeit, Listigkeit).

Es ist völliger Unfug, bei Metaphern von "Bildern" oder "Bildspendern" oder "Bildempfängern" zu sprechen. Bei Metaphern werden keine Bilder gesendet oder empfangen, sondern Eigenschaften und Wertungen von einem Objekt auf ein anderes transferiert. Und die Metapher funktioniert nur deshalb, weil diese Bewertungen allen Sprachteilnehmern IMPLIZIT bekannt sind und deshalb vom Gehirn AUTOMATISCH an das Objekt B weitervererbt werden.

Definition: "Eine Metapher ist eine sprachliche Konstruktion, die (implizite) Eigenschaften des Ausgangsobjektes auf das Zielobjekt überträgt: X->Y"

Beispiel: Onkel Erwin (ZIELOBJEKT) ist ein Schwein (AUSGANGSOBJEKT mit impliziten Wertungen).




Jetzt zum Symbol:

Ein Symbol ist ein absolut willkürlich gesetzes sprachliches Zeichen, das seine Bedeutung allein auf der Basis von gemeinschaftlichen Verabredungen erhält. Das Symbol hat also keinen, wirklich gar keinen äußeren Bezug zu seinem Inhalt. Formal geschrieben:

X <=> (Bedeutung von) X;  die Bedeutung von X wird also frei verabredet.

Eine Rote Ampel ist ein Symbol, genauso wie das Schild "Durchfahrt verboten": Was diese Symbole bedeuten, muss man von "Eingeweihten" lernen. Es gibt keinen logischen oder semantischen (indexikalischen, ikonischen nach PEIRCE) Zusammenhang zwischen dem Symbol und seiner Bedeutung. Das Symbol transferiert auch keine Eigenschaften von sich selbst auf das Auto oder die Straße.

Definition: "Ein Symbol ist ein willkürliches sprachliches Zeichen, das seine Bedeutung auf der Grundlage gemeinsamer Verabredungen erhält: X <=> Bedeutung von (X)"

Beispiel: Weiße Taube (Symbol) steht für Frieden (verabredete Bedeutung).



Jetzt zur Allegorie:

Eine Allegorie liegt dann vor, wenn ein Text ZWEI in sich vollständige und plausible Deutungsebenen aufweist. Die Gleichnisse in der Bibel sind häufig als Allegorien verfasst:
Zitat
Jesus erzählte ihnen viele Gleichnisse, so wie dieses: »Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen. Als er die Saat über das Feld ausstreute, fielen einige Körner auf einen Weg, und die Vögel kamen und pickten sie auf. Andere Körner fielen auf eine dünne Erdschicht mit felsigem Untergrund. Die Saat ging schnell auf, aber schon bald vertrockneten die Pflänzchen unter der heißen Sonne, weil die Wurzeln in der dünnen Erdschicht keine Nahrung fanden. Andere Samenkörner fielen in die Dornen, die schnell wuchsen und die zarten Pflänzchen erstickten. Einige Samen aber fielen auf fruchtbaren Boden, und der Bauer erntete dreißig, sechzig, ja hundert Mal so viel, wie er gesät hatte.

Dieses Gleichnis erlaubt zwei völlig voneinander unabhängige, vollständig geschlossene Deutungen: Einmal kann es als Erzählung über landwirtschaftliche Probleme verstanden werden.
Neben dieser ersten Deutungsebene erlaubt dieser Text aber auch eine zweite, allegorische Deutungsebene: Hier stehen die "Samen" stellvertretend für die "Menschen", der "Bauer" auf dem "Feld" steht für "Gott", der die "Menschen" auf die "Erde" schickt. Die "Vögel" repräsentieren die Sünde, die den Menschen vernichtet. Der "felsige Untergrund" kann die Pflanze nicht nähren und lässt sie vertrocknen, so wie der schwache Glaube die Seele nicht nähren kann und so weiter...

Eine Allegorie ist also ein System der "Andersrede" aus mehreren Metaphern in einem Text, der dann mindestens zwei kohärente Deutungen erlaubt. Tatsächlich sind Begriffe wie "Samen", "Vögel" etc. Metaphern, denn hier wird ein Bedeutungstransfer vorgenommen: SAMEN haben die Eigenschaft, in sich bereits das Potential, sich zur vollen Pflanze und Blüte zu entfalten und so "reiche" Ernte und Nutzen zu bringen. Dieselben Eigenschaften werden dem Menschen unterstellt, wenn er als "Samen der Erde" bezeichnet wird.

Definition: "Eine Allegorie ist ein System aus mehreren Metaphern, die zusammen einen Text ergeben, der zwei vollständige, unabhängige und kohärente Deutungsebenen enthält: X-Y-Z <=> x-y-z"



Personifikation ist so simpel, das spare ich mir mal. ;-)

P.S.: Ich unterrichte seit Jahrzehnten Deutsch am Gymnasium.
Autor: Jonas
« am: April 07, 2014, 18:49:15 »

Ahoj Nathan, schön, dass Du den Weg ins Wortwuchs-Forum gefunden hast. Deine Frage ist wohl eine der schwierigsten, die ich auch nach meinem Studiums nicht endgültig beantworten kann, da sich die einzelnen Stilmittel zum Teil arg überschneiden.

Viele wesentliche Dinge hat 24 schon geschrieben, weshalb ich lediglich auf die Metapher und die Allegorie nochmals genauer eingehen möchte, um den Unterschied deutlich zu machen.

  • Die Metapher ist grundsätzlich eine Bedeutungsverschiebung, was meint, dass wir ein Wort in einem uneigentlichen Zusammenhang gebrauchen. Dieser Vorgang ist nicht immer so offensichtlich, weshalb der "Fuß des Berges" eine metaphorische Wendung ist. Der Fuß stammt eigentlich aus der Anatomie, der Berg ist ein "geografisches Merkmal" - die Verbindung beider Bereich ist eine Verschiebung der Bedeutungen und somit eine Metapher. Weitere Hinweise finden sich unter den Beispielmetaphern
  • Die Allegorie ist der Metapher sehr verwandt, wobei das sprachliche Bild über eine einfache Bedeutungsverschiebung hinausgeht oder sogar eine Zusammensetzung mehrerer Metaphern und Symbole ist. Das bedeutet, dass Metaphern und Symbole meist stellvertretend eine Sache erklären, indem sie ein sprachliches Bild schaffen, die Allegorie bildet den Sachverhalt allerdings nicht nur metaphorisch nach, sondern stellt diesen selbst dar. Genauer habe ich dies im Beitrag zur Allegorie ausgearbeitet.

Cheers.
Autor: 24
« am: April 07, 2014, 18:34:25 »

Symbole sind so gesehen "Bilder", die eine Vorstellung hervorrufen. Z. B. bei einer "weißen Taube" assoziiert man oft den "Frieden", rein durch das Symbol der weißen Taube, das sowohl in der Lyrik als auch in Filmen vorkommen kann.
Metaphern sind Wörter oder Sätze, die generell etwas ersetzen und veranschaulichen; deutlicher verbildlichen. Bei Sätzen ist es wichtig, dass Metaphern in der Regel (z. B. bei Sachtexten) so nie auftauchen, da die Syntax buchstäblich falsch oder zumindest die Semantik einfach sehr vage ist. Die Textsemantik dagegen (in der Lyrik) ist sehr präzise.
Personifikationen dagegen sind keine Metaphern, sondern "vermenschlichen" Lebewesen oder Sachen. Es kann sein, dass ein Tisch plötzlich Beine hat oder ein Sessel Arme. Oder ein Baum atmet plötzlich.
Die Allegorie ist für mich persönlich sehr schwer zu erklären, aber ich versuche es mal trotzdem: Bei einer Allegorie handelt es sich um das Ersetzen von Wörtern mit einem Gleichnis, oft in Verbindung mit Personifikationen. Man liest also einen Satz mit einer Allegorie oder mehreren Allegorien und erst beim Interpretieren, also kurzen Gedankengängen, wobei man die Wörter mit anderen vergleicht und ersetzt, macht der Satz in seiner Textsemantik erst wirklich Sinn und ist aussagekräftig. Etwas blöd wie ich finde, da man nicht immer weiß sofort weiß, woran der Autor gedacht hat oder womit er die Wörter assoziiert hat. Ein Beispiel aus Wikipedia:
Die Gerechtigkeit als Frau (Justitia; iustitia ist im Lateinischen weiblich) mit verbundenen Augen (ohne Ansehen der Person), in der einen Hand eine Waage (genau abwägend) und in der anderen ein Schwert (urteilend).
Autor: nathan
« am: April 07, 2014, 17:24:13 »

Hi Wortwuchs-Forum!

Meine Frage steht bereits oben. Könnte mir jemand einmal den wirklichen Unterschied zwischen den vier Stilmitteln erklären. Irgendwie verstehe ich vor allem nicht, inwiefern sich Metapher und Allegorie voneinander unterscheiden lassen. Es wäre toll, wenn mir das jemand zeigen könnte.

Vielen Dank und liebe Grüße
Nathan